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Das Kino in
Wiener Neustadt
Erster Film in der „Allzeit Getreuen“: „Ali Baba & die
40 Räuber“
- von Franz Pinczolits
Am 27. Oktober 1903 gab es im Hotel „Goldener Hirsch“ die erste Filmvorführung: „Ali Baba und die 40 Räuber“. Wiener Neustadt feiert damit seine ersten hundert Jahre Kino! Die Kino-Szene hat sich im Laufe der Zeit gewandelt: das „Cine Nova“ wurde eröffnet, das einzige Kino in der Innenstadt ist heute das Zentral-Kino. Seit dem Jahr 2000 werden am Hauptplatz beim „Sommer-Kino(T)raum“ Filme vorgeführt. Die Geschichte der Wiener Neustädter Kinos.
Das erste Kino in Wiener Neustadt. Acht Jahre nach den Vorführungen der Brüder Lumière in Paris hielt der Film auch in Wiener Neustadt Einzug. Am 27. Oktober 1903 gab es im Festsaal des Hotels „Goldener Hirsch“ die erstmalige Vorführung eines Kinemathographen. Gezeigt wurde „Ali Baba und die 40 Räuber“. Zwei Jahre später richtete im selben Hotel in der Brodtischgasse Maximilian Rady-Maller das erste ständige Kino - das „Kinemathographen-Theater im Goldenen Hirschen“ - ein. Es fanden täglich Vorstellungen „mit reichhaltigem interessanten Programm“ statt. Das „Kinematographen-Theater im Goldenen Hirschen“ existierte bis zum Jahr 1911. Dann wurde es aus feuerpolizeilichen Gründen gesperrt und - es hatte inzwischen den Namen „Maxims-Bio-Theater“ erhalten - in ein Gebäude Ecke Babenbergerring/Herrengasse verlegt.
Vom Karmeliterkloster zum Kino: Biograph und Apollo. Auf historischem Boden, wo seit der Babenbergerzeit Herren des Deutschen Ritterordens ihren Sitz hatten und wo von Mitte des 17. Jhdts. an Karmelitermönche lebten, wurde im Jahr 1908 das zweite Wiener Neustädter Kino eröffnet. Nach Aufhebung des Klosters der Karmeliter durch Josef II. wurde das Gebäude von Christoph v. Andrä, später von J. F. Bräunlich als Fabrik für die Seidenindustrie verwendet. Im unbenützten Teil der Kirche richtete die französische Firma „Cinema-Banca“ den „Wiener Neustädter Biographen“ ein. Das Kirchenschiff wurde in einer Höhe von zehn Metern mit einer Zwischendecke versehen, um die Filmvorführungen zu ermöglichen. In der nördlichen Seitenkapelle kam eine elektrische Kraftmaschine für die Projektion zur Aufstellung. Es war dadurch - glaubt man den zeitgenössischen Berichten – „eine Stätte moderner Belehrung und Unterhaltung in Gestalt eines Kinematographentheaters entstanden, in welcher Elektrizität und Photographie ihre Triumphe feierten“. Die Weltfirma, die dieses Unternehmen leitete, bot außerdem die Gewähr, „dass stets die neuesten und besten beweglichen Bilder durch tadellose Apparate zur Vorführung gelangten“. Am 12. Oktober 1908 fand für geladene Gäste eine Probevostellung statt, bei der die „vorgeführten lebenden Bilder“ allgemeine Anerkennung fanden. Weiters wurde über das neue Kino berichtet: „Das Programm enthält belehrende und heitere Bilder, die durch die maschinelle Einrichtung flimmerfrei erscheinen und das Auge nicht ermüden. Der dunkelrote Farbton wie auch die elektronische Beleuchtung des Saales machen auf den Besucher einen guten Eindruck und die dem Charakter der Bilder angepassten Klaviervorträge erhöhen den stimmungsvollen Effekt.“ Im Jahre 1910 wurde das Unternehmen von Friedrich Löcker übernommen.
Schon 1914 konnte sich das Kino Wiener Neustadt „größtes Unternehmen zur Vorführung lebender Bilder“ nennen. Im „Biograph“ gab es schließlich auch „wöchentlich jeden Dienstag und Freitag vollständig neues, hochinteressantes Programm, Vorstellungen an Wochentagen von 6 bis 8 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 2 bis 19 Uhr abends, jeden Samstag um 2 Uhr Familien-Vorstellung mit ausgewählten dezentem Programm“. Ab 1914 wurden die Filme mit einem „Edison-Kinematographen“ vorgeführt.
Das erste Kino der Zweiten Republik. Von Friedrich Löcker wurde der „Biograph“ im Jahre 1931 renoviert und unter dem Namen „Apollo-Kino“ weitergeführt. Im Zweiten Weltkrieg fand das „Apollo-Kino“ als Luftschutzkeller in der schwer bombardierten Stadt Verwendung. Nach Kriegsende fingen im „Apollo“ bereits am 27. Mai 1945 - als erstem Kino der Zweiten Republik - die Vorstellungen wieder an. Im Mai 1955 musste das „Apollo-Kino“ wegen baulicher Mängel geschlossen werden.
Maxims-Bio-Theater, Atlantis und Skala. Im Jahre 1912 übersiedelte das „Maxims-Bio-Theater“ von der Brodtischgasse in die ehemalige Pöck´sche Fabrik, Ecke Babenbergerring/Herrengasse. Ab 1923 scheint es in diesem Gebäude unter dem Namen „Atlantis-Kino“ auf. 1932 wurde es schließlich renoviert und auch eine neue Tonwiedergabe-Apparatur eingebaut: „... die Töne klingen gedämpft und wohltuend ins Ohr“. Nach der Renovierung wurde es im Dezember 1932 unter dem Namen „Kinotheater Skala“ wieder eröffnet. Es existierte schließlich bis zum Zweiten Weltkrieg als „Skala“.
Josefstädter Volkskino und Elite-Kino. Im Jahre 1919 wurde das Lichtspieltheater des M. Tronner in der Weinwurmgasse bzw. Schwarzenseegasse eröffnet. Das Kino gab es bis zur Sperre im Jahre 1930 unter dem Namen „Josefstädter Volkskino“. Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten sorgte ein „vorzüglich eingespieltes Salonorchester für die künstlerische Musikbegleitung“. Nach der Sperre wurde im Jahre 1930 die Kino-Lizenz in die Kollonitschgasse übertragen und in der Dreher´schen Bierhalle (Ring/Kollonitschgasse) als „Elite-Kino“ eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es in die Pernerstorferstraße verlegt. Das Kino wurde Ende des 20. Jahrhunderts geschlossen.
Zentral-Kino und Zentral-Center. Das Zentral-Kino wurde im Haus des Hotels „Goldener Hirsch“ (Eingang Brodtischgasse) eingerichtet. Am 15. Mai 1920 fand die Eröffnung statt. Fünf Tage lang gab es ein großes Gala-Eröffnungs-Programm mit „Musikbegleitung eines erstklassigen 12-Mann-Salonorchesters unter Kapellmeister Josef Koudela“. Nach dem Zweiten Weltkrieg existierten in Wiener Neustadt vier Kinos: das Theater-Kino, das Forum-Kino gegenüber dem Bahnhof, das Elite-Kino in der Pernerstoferstraße und das Zentral-Kino. Letzteres wurde im Gebäude der Wiener Neustädter Sparkasse in der Brodtischgasse wieder eröffnet und ab 1969 von Günther Kiener geführt. 1985 errichtete Kiener in den Häusern Lange Gasse 26 bzw. Haggenmüllergasse 17 ein Kino-Center – 80 Jahre nach der Eröffnung des ersten Kinematographen-Theaters“ in Wiener Neustadt entstand damit das damals modernste Kino der Stadt - das Zentral-Center.
Vom Cine Nova zum cineplexx. Im April 1999 wurde schließlich in der Stadionstraße das Kinocenter „Cine Nova“ eröffnet. 2007 wurde das Kino-Center von den neuen Besitzern in „cineplexx wiener Neustadt“ umbenannt.
„Sommer-Kino(T)raum“. Seit dem Jahr 2000 wird der Hauptplatz von Wiener Neustadt mit dem „Sommer-Kino(T)raum“ zum überdimensionalen Lichtspiel-Theater – ein erfolgreiches cineastisches Experiment.

© sommerkinotraum
2009
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