Der „Sommer-Kino(T)raum“ kann im 15. Jahr seines Bestehens nicht stattfinden

Die erforderlichen Budgetmittel des traditionellen Open-Air-Kinos von Wiener Neustadt konnten nicht erreicht werden.
Sommer-Kino(T)raum 2015

Seit dem Jahr 2000 (mit einem Jahr Pause aufgrund der EURO08) wurde der Hauptplatz von Wiener Neustadt mit dem „Sommer-Kino(T)raum“ als überdimensionales Freiluft-Kino bespielt. Im 15. Jahr seines Bestehens muss das Open-Air-Kino aus wirtschaftlichen Gründen seitens der durchführenden Veranstalter, der Arbeitsgemeinschaft „Sommer-Kino(T)raum (Bernd Breitfellner und Helmut A. Puritscher) vorzeitig abgesagt werden. Trotz Förderungen der öffentlichen Hand (Stadt Wiener Neustadt, Land Niederösterreich) konnte das notwendige Gesamtbudget von ca. 110.000,- Euro für die Durchführung des zehntägigen Filmreigens nicht erreicht werden. Die Gründe: von Sparmaßnahmen potentieller Sponsoren bis zum fehlenden Interesse der Gastronomie. Der „Sommer-Kino(T)raum 2015“ hätte vom 13. bis 22. August über die Leinwand gehen sollen. „Um den „Sommer-Kino(T)raum“, wenn er gewünscht wird, in Zukunft wieder auf die Beine stellen zu können, gilt es jetzt schon, die Weichen dafür zu stellen“, sagt Bernd Breitfellner, einer der beiden Organisatoren. „Die gemeinsamen Kräfte müssten gebündelt werden, Stadt, Land, Gastronomen, Unternehmer und potentielle Sponsoren an einem Strang ziehen, um die Traditionsveranstaltung 2016 fortsetzen zu können!“

Die Stadt Wiener Neustadt und das Land Niederösterreich haben auch für 2015 Förderungen in der Höhe der vergangenen Jahre zugesagt. Trotz dieser Zusagen, den „Sommer-Kino(T)raum“ zu unterstützen, war es der ausführenden Arbeitsgemeinschaft (sie organisiert das Open-Kino im Auftrag der Stadt Wiener Neustadt) nicht möglich, das notwendige Gesamtbudget von rund 110.000,- Euro aufzustellen. Bürgermeister Mag. Klaus Schneeberger hat für heuer 10.000,- Euro als Subvention seitens der Stadt zugesagt; seitens des Wirtschaftshofes und der WNSKS (Wiener Neustädter Stadtwerke und Kommunal Service GmbH) waren Sachleistungen (Müllabfuhr et cetera) im Werte von ca. 8.000,- Euro bestätigt. Seitens des Landes Niederösterreich war eine Förderung in der Höhe von 20.000,- Euro zugesagt.

Der „Rest“ (72.000,- Euro) auf das notwendige Budget muss durch private Sponsoren bzw. Unternehmer seitens der ARGE aquiriert werden. Große Sponsoren der Vergangenheit sind jedoch abgesprungen; die Aquise von neuen Sponsoren ist aus Spargründen seitens der Unternehmer in wirtschaftlichen schlechten Zeiten sehr schwierig bzw. fast nicht möglich. Ein Mitgrund ist auch das mangelnde Interesse seitens der lokalen Gastronomie, am „Sommer-Kino(T)raum“ teilzunehmen.

Die Grundidee des „Sommer-Kino(T)aums“ war die Belebung der Innenstadt von Wiener Neustadt, speziell in den Sommermonaten. „Eintritt frei!“ in das Open-Air-Kino war die stete Philosophie des „Sommer-Kino(T)raums“. Seitens der meisten Filmverleiher war dies jedoch nicht gewünscht (viele Verleiher wollen Anteile am Kartenverkauf, aus dem sie auch eine offizielle Besucher-Quote nachweisen können). Aufgrund dessen standen jedoch immer weniger Filme zur Verfügung, um ein Programm für alle Geschmäcker zusammen stellen zu können. 2011 wurde als symbolischer Eintritt freie Spenden seitens des Publikums eingeführt.

Die Bilanz von 14 „Sommer-Kino(T)äumen“ kann sich trotz der Absage sehen lassen: Je nach Länge des „Sommer-Kino(T)raums“ (acht bis zehn Abende) und je nach der Wetterlage kamen pro Jahr zwischen 11.000 und 20.000 Besucher auf den Hauptplatz. Exakt 146 Langfilme wurden insgesamt gezeigt. Der „Sommer-Kino(T)raum“ in Film-Minuten: 15.875 Minuten - das sind 264 cineastische Stunden und 35 Minuten oder elf durchgehende Tage und 35 min Kino am Hauptplatz von Wiener Neustadt!

Von den 146 Filmen stammten 80 Filme aus Europa, davon 22 aus Österreich. Spitzenreiter unter den Filmen von österreichischen Regisseuren waren Wolfgang Murnberger („Komm, süßer Tod“, 2001, „Der Knochenmann“, 2009, „Mein bester Feind“, 2011) sowie Harald Sicheritz („Hinterholz 8“, 2000, „Poppitz“, 2003, „MA 2412 – Die Staatsdiener“, 2004). „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ von Andreas Prochaska wurde zwei Mal gezeigt (2011, 2013); sein Film „Das finstere Tal“ (2014) geriet zum Publikumshit. Zwei der Filme österreichischer Regisseure erhielten Oscars: „Die Fälscher“ (Stefan Ruzowitzky) und „Amour von Michael Haneke. Regisseure waren regelmäßig zu Gast bei einem Film-Talk vor Aufführung ihrer Filme: Florian Flicker, Wolfgang Murnberger, Michael Glawogger, Andreas Prochaska, Karl Markovics. Michael Ostrowski und Hilde Dalik kamen seitens der Schauspieler zum Film-Talk.

Über den „Sommer-Kino(T)raum wurden zwei Diplomarbeiten geschrieben (von Studentinnen der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich Baden).

Der „Sommer-Kino(T)raum“ wurde in zwei Büchern verewigt: Peter Mertz und Manfred Seidl (Fotos), Elisabeth Meixner (Texte): „Wiener Neustadt – Das Juwel in Niederösterrreich)“ (Verlag Carl Ueberreuter, 2004) und Thomas Winkler: „Die schönsten Stadtplätze Österreichs“
(Verlag Anton Pustet, 2015).

2010 erhielt der „Sommer-Kino(T)raum“ den „City Award“ als Impulsgeber für Wiener Neustadt des Management Clubs Niederösterreich Süd.